Bipolar und nun?

nicht einfach, aber welche psychische Erkrankung ist das schon. Nicht heilbar, aber therapierbar. Das ist zum einen ernüchternd, aber macht auch Hoffnung,

Lang hat es bei mir gedauert um zur Krankheit zu stehen, auch die positiven Aspekte zu begreifen und das Leben und die Arbeit anzupassen.
Früh schon fühlte ich mich anders und wußte nur, nicht den vorgezeichneten Weg zu gehen, keine Heirat und keine Kinder. Da mir mein Vater die bipolare Krankheit vererbt hatte und ich das schon früh geahnt hatte, war die Sterilisation mit 23 Jahren folgerichtig.
Belastende Jobs und häufig dabei schwierige Beziehungen waren die besten Auslöser für mein „verrückt sein“. Als Single geht es besser und ich vermisse kaum etwas oder hab es verdrängt.
Es folgten lange Dekaden der Irrungen und Wirrungen, hab Lebensfreunde verloren und „gute“ Jobs aufgegeben, aber erst mit 50 den Weg der Transparenz beschritten. Es fühlt sich gut an.

Ex-In

Persönlich: die Chance mit der bipolaren Krankheit sinnstiftend arbeiten zu können, dabei nicht den Kontakt zu sich zu verlieren und ein Teil einer Reformbewegung zu sein, die unsere „Kranken“stationen verändern kann.

Erzähle in einem traditionellen Bewerbungsgespräch von einer bipolaren Störung und was das für deine Arbeit bedeutet und das Gespräch ist freundlich, aber schnell beendet. Könnte noch dezent und verheimlichend erwähnen von drei Burn Outs in 20 Jahren. Ginge vielleicht noch, wäre aber nicht ehrlich.

Für die Ausbildung zum Ex-In Genesungbegleiter ist das Erleben und durchstehen schwerer Krisen die Voraussetzung der Bewerbung. Wie sollten wir auch sonst begreifen können. Es ist eine Chance für beide Seiten.